Gmail und Google Fotos für Werbung: Nur mit echtem Opt-in vertretbar
Google versprach auf eigenen Seiten, Inhalte aus Drive, Gmail und Fotos nicht für Werbung zu nutzen. Die neue Ausnahme mag eng gefasst sein, ehrlich ist nur ein klares Opt-in.
KI-generiertes Bild
Was kauft man eigentlich, wenn man Fotos und E-Mails einem Cloud-Dienst anvertraut? Speicherplatz, Suche, vielleicht etwas Komfort. Nicht erwartet man, zum Rohstoff für die Werbemaschine eines anderen zu werden. Genau deshalb hat die Meldung dieser Woche über Google, Gmail und Google Fotos einen Nerv getroffen.
Was sich geändert hat – soweit bekannt
Laut The Verge könnte Googles aktualisierte Datenschutzerklärung dazu führen, dass Sie gezielte Werbung auf Basis Ihrer persönlichen Daten sehen, wenn Sie personalisierte KI-Funktionen nutzen. Ein Reddit-Thread, der die Änderung zusammenfasst, besagt, dass mit der Suche verbundene Apps helfen können, Werbung zu personalisieren, dass ein Werbetest begonnen hat und dass sich diese Apps trennen lassen. Das ist eine Zusammenfassung aus der Community, die Details sind daher mit Vorsicht zu behandeln. Android Authority beschreibt es als Ausnahme in der Datenschutzerklärung, um Daten aus Gmail und Fotos für Werbung zu verwenden.
Den vollständigen Text der Richtlinie haben wir nicht, und wir wissen nicht, wie weit die Ausnahme reicht. Das Folgende ist daher eine Meinung, die auf der Lücke zwischen dem beruht, was Google gesagt hat, und dem, was das Unternehmen nun offenbar tut.
Das alte Versprechen war ungewöhnlich eindeutig
Laut Googles Datenschutzerklärung zeigt das Unternehmen keine personalisierte Werbung auf Basis Ihrer Inhalte aus Drive, Gmail oder Google Fotos, es sei denn, Sie entscheiden sich dafür, Daten dieser Dienste anderen Google-Diensten zur Verfügung zu stellen. Die Sicherheitsseite sagt im Wesentlichen dasselbe: Das Unternehmen nutzt Daten aus diesen Produkten nicht für Werbung, sofern Sie nichts anderes wählen. Die deutsche Version dieser Seite ist deutlicher: In Drive, Gmail und Fotos gespeicherte Inhalte würden nie für Werbung verwendet.
Beachten Sie den Aufbau dieses Versprechens. Die Voreinstellung ist „Nein“, und die Ausnahme erteilen Sie selbst. Wenn die neue Regelung tatsächlich eine Entscheidung ist, die Sie durch das Verbinden dieser Dienste mit einer personalisierten KI-Funktion treffen, könnte Google argumentieren, sein Wort zu halten. Unserer Ansicht nach ist dieses Argument nur so gut wie die Klarheit der Wahl.
Einwilligung, die sich in einer Funktion versteckt, ist keine
Hier liegt unsere Sorge. Das Postfach mit einem KI-Assistenten zu verknüpfen, weil man Hilfe beim Finden einer Flugbestätigung möchte, ist eine Entscheidung. Dass diese Verknüpfung auch die Werbeausspielung speist, ist eine andere Entscheidung mit anderem Gewicht. Werden beide gebündelt, wird aus einem Komfortschalter eine Werbeerlaubnis. Man kann dem ersten durchaus zustimmen und dem zweiten nicht.
Niemand sollte ein Policy-Update lesen müssen, um den Unterschied zu erkennen. Das Design, das wir verteidigen würden, ist einfach: ein separater, klar formulierter Schalter, standardmäßig aus, der sagt: „Google darf Erkenntnisse aus meinen E-Mails und Fotos nutzen, um Werbung auszuwählen.“ Kein versteckter Opt-out und keine Einstellung, die man erst nach der ersten Anzeige entdeckt.
Google hat allen Grund, sorgfältig zu sein. Werbung ist der Motor des Geschäfts: Basic Thinking stellte 2021 fest, dass über 90 Prozent von Googles Umsatz aus Werbung stammten. Wenn die Anreize eines Unternehmens so stark in eine Richtung weisen, verdient ein Design nach dem Motto „Vertrauen Sie uns, Sie können es abschalten“ Skepsis.
Wo wir die Grenze ziehen würden
Wir halten nicht jede Nutzung persönlicher Daten für unlauter. Google personalisiert Werbung bereits anhand von Suchanfragen und Surfverhalten, und die Kontrollmöglichkeiten dafür sind ausgereift. Suchanfragen sind Signale, die Sie ins offene Web senden. Ihr Postfach und Ihre Fotosammlung sind private Archive, die Sie unter einer anderen Voraussetzung abgelegt haben. Die Vermischung beider Kategorien ist der eigentliche Grenzübertritt, auch wenn der technische Mechanismus eng gefasst ist.
Der praktische Rat ist einfach. Prüfen Sie in Ihrem Google-Konto die Einstellungen unter „Daten und Datenschutz“, worauf auch Android Authority hinweist. Kontrollieren Sie, welche Apps und Dienste mit der Suche und den KI-Funktionen verbunden sind, und trennen Sie, was Sie nicht brauchen. Und gehen Sie nicht davon aus, dass das Deaktivieren der Werbepersonalisierung an anderer Stelle dies abdeckt.
Unser Urteil: Google kann diese Änderung vornehmen, ohne jemanden zu hintergehen, aber nur, wenn „Opt-in“ eine bewusste, separate und widerrufbare Entscheidung bedeutet. Alles Unklarere bricht den stillen Vertrag des Cloud-Speichers: Sie behalten die Dateien, wir lassen die Finger davon. Will Google diesen Vertrag neu schreiben, sollte es laut danach fragen.
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