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Das Zittern bei KI-Aktien: Die Märkte verlangen Beweise, kein Urteil

Der nächste weltweite Ausverkauf bei KI-Aktien wirkt weniger wie eine Absage an die Technologie als wie die Forderung nach dauerhaften Erlösen statt Ausgabengeschichten.

Veröffentlicht
23. Oktober 2026
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3 min
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Foto: Negative Space / Wikimedia Commons (CC0)

Verliert der Markt die Lust an künstlicher Intelligenz? Wir glauben das nicht. Er verliert die Lust, der KI einfach aufs Wort zu glauben – und das ist etwas völlig anderes.

Das jüngste Zittern war weltweit zu spüren und folgt auf eine holprige Phase. Die LA Times bezeichnete den vergangenen Freitag als Abschluss der schlechtesten Börsenwoche seit Ende Juni. Am Donnerstag fielen die Aktienindizes, berichtet Reuters, nachdem der Quartalsbericht von Meta die Sorgen über die hohen Investitionsausgaben des KI-Booms neu entfacht hatte.

Auslöser ist die Rechnung, nicht die Technologie

Ein Blick darauf, was die Anleger verunsichert hat: Der Guardian führte den Ausverkauf Mitte Oktober auf die Furcht vor steigender Inflation und künftigen Zinserhöhungen zurück, und die Berichterstattung von CNN verwies auf steigende Zinsen und KI-Schulden. Nichts davon besagt: „Chatbots funktionieren nicht.“ Es besagt, dass Geld teurer wird, gerade wenn die KI-Ausgaben wachsen, und die Rede von KI-Schulden deutet darauf hin, dass Kreditfinanzierung Teil des Bildes ist.

Das ist eine Neubewertung von Versprechen. Bei billigem Kapital kann ein Unternehmen sagen: „Wir investieren jetzt kräftig, die Erlöse kommen später.“ Sorgen um Zinsen und Inflation lassen den Markt dagegen ein Datum und eine Zahl verlangen. Unserer Ansicht nach ist das gesund und wohl überfällig.

Gute Nachrichten lösen keine Rally mehr aus

Das deutlichste Indiz stammt nicht aus diesem Monat. Im vergangenen November legte Nvidia starke Zahlen vor, die Kurse stiegen kurz und drehten binnen eines Tages wieder ins Minus. Wie die BBC berichtete, sagte ein Analyst von StoneX, „was hätte passieren sollen, ist nicht passiert“. Ein vom Guardian zitierter Portfoliomanager traf die entscheidende Unterscheidung: Das Unternehmen, das die Chips verkauft, profitiert, doch die Kunden, die sie kaufen, geben womöglich zu viel aus.

Das ist die Bruchlinie, die wir beobachten würden. Der Chipverkäufer hat heute Umsatz. Der große Ausgeber hat einen Capex-Posten und eine Hoffnung. Der Markt scheint beide allmählich voneinander zu trennen, und der Rückgang dieser Woche nach dem Meta-Bericht deutet darauf hin, dass er zunehmend bereit ist, den Ausgeber zu bestrafen – selbst bei einer spannenden Story.

Wie die Gewinner aussehen werden

Wir erwarten, dass die nächste Phase eine nüchtern klingende Eigenschaft belohnt: wiederkehrende Erlöse. Kunden, die verlängern, eine Nutzung, die sich selbst trägt, Margen, die die Abschreibung all dieser Rechenzentren überstehen. Capex-Ankündigungen allein dürften als Auslöser ausgedient haben und könnten sogar zur Belastung werden.

Eine ehrliche Einschränkung: Die Ausverkäufe wurden schnell wieder aufgeholt. Reuters meldete, dass KI-nahe Aktien am Montag zulegten, als die Anleiherenditen und der Ölpreis nachgaben. Makroökonomische Bedingungen, nicht nur die KI-Fundamentaldaten, treiben die Schwankungen also offenkundig mit an. Ein einzelner Handelstag ist deshalb ein schlechter Maßstab, und auch eine Erholung werten wir nicht als Beweis.

Eine weitere Sichtweise verdient Erwähnung: Ein Beitrag von Yahoo Finance argumentiert, Skeptiker sollten sich mehr auf das Lieferrisiko beim Infrastrukturausbau konzentrieren als auf die Bewertungen. Das vollständige Argument kennen wir nicht und stützen uns daher nicht darauf, doch es deutet an, dass sich die Debatte von „Ist es eine Blase?“ zu „Lässt es sich liefern und bezahlen?“ verschieben könnte.

Unser Urteil

Wer investiert, sollte weder vor KI fliehen noch jeden Kursrückgang zum Kauf nutzen. Man sollte jedem Unternehmen eine Frage stellen: Woher kommt das Geld, und wann? Firmen mit einer Antwort werden bei jedem Zittern besser dastehen. Firmen, die nur einen Ausgabenplan haben, schlechter. Nicht die Technologie steht vor Gericht, sondern die Geschäftsmodelle, und die Jury verlangt diesmal Beweise.

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